Das Ungeborene trinkt immer mit – Gedanken und Hintergründe zum Tag des alkoholgeschädigten Kindes 2012

Am 09. September 2012 wird der „Tag des alkoholgeschädigten Kindes” inzwischen zum 14. Mal begangen. Um zu verstehen und nachempfinden zu können was sich hinter dem Begriff  „Fetales Alkoholsyndrom” (kurz FAS) verbirgt, ist ein Blick auf die schockierenden Zahlen unvermeidlich:

Jedes Jahr werden in Deutschland 10.000 alkoholgeschädigte Kinder geboren, davon 4.000 Kinder mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms, einer schwerwiegenden geistigen und körperlichen Behinderung. FAS zählt somit zu den häufigsten angeborenen Behinderungen in Deutschland. Es tritt beispielsweise im Vergleich zum Down-Syndrom doppelt so häufig auf.
Quelle: Internetseite der Drogenbeauftragen der Bundesregierung, Stand 03/12

Für den Gesundheitsexperten der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Hjalmar Stemmann, ein alarmierender Zustand: „Nach einer Studie der Charité in Berlin gaben 58% der befragten schwangeren Frauen an, während der Schwangerschaft gelegentlich Alkohol zu trinken. Und das, obwohl bereits geringe Mengen Alkohol das ungeborene Kind schädigen können. Als Vater von zwei Kindern läuft es mir bei diesen Zahlen kalt den Rücken herunter. Bedenkt man, dass die geistigen und körperlichen Fehlentwicklungen, unter denen die Betroffenen oftmals Ihr Leben lang leiden, durch einen Alkoholverzicht in der Schwangerschaft zu 100% vermeidbar sind. Konsequente Aufklärung ist somit unverzichtbar.”

Neben der Schwangerenberatung kommt es zudem darauf an, die Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zumindest zu lindern und den Betroffenen mit Fetalen Alkoholspektrumsstörungen (FASD) Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Je früher und qualifizierter Hilfen und Leistungen einsetzen, desto größer ist die Chance, deren Lebensweg positiv zu beeinflussen.

Eine ganzheitlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht bedeutet jedoch auch, dass Hilfsangebote nicht nur auf das Individuum abzielen, sondern im Falle einer Suchtproblematik die gesamte Familie im Focus stehen muss. Dies ist gerade im Hinblick auf die Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen von entscheidender Bedeutung.

Aktuell existieren in Deutschland jedoch nicht genügend Angebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Zudem sind vorhandene Angebote sind häufig nicht evaluiert. Die erste Evaluation eines Gruppenangebots für Kinder suchtkranker Eltern in Deutschland wurde vor wenigen Wochen am Universitätsklinikum Eppendorf abgeschlossen.

Dieses Gruppenangebot namens „Trampolin“ (http://www.projekt-trampolin.de/) wurde im Forschungsverbund zwischen dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) unter der Leitung von Prof. Rainer Thomasius sowie dem Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Hochschule NRW unter der Leitung von Prof. Michael Klein im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit entwickelt und wissenschaftlich erforscht.
Bei „Trampolin“ werden im Rahmen von neun wöchentlichen Kinder-Modulen zu je 90 Minuten als zentrales Thema die elterliche Sucht und der Umgang damit thematisiert. Ressourcenorientierung stellt dabei das wesentliche Fundament des methodisch abwechslungsreichen Programms dar. Zusätzlich wurde ein Eltern-Modul entwickelt, welches meist in zwei Treffen zu je anderthalb Stunden durchgeführt wird.
Die Ergebnisse zeigen, dass teilnehmende Kinder in vielfältigen Bereichen vom Programm profitierten. So z.B. hinsichtlich ihrer Stressbewältigungsstrategien und einer Reduktion ihrer psychischen Belastung.

„Das Beispiel „Trampolin” zeigt erneut eindrucksvoll die Bedeutung einer Forschungseinrichtung wie dem DZSKJ,  auch über die Hamburger Landesgrenzen hinaus. Würden der Hamburger Senat und die ihn tragende SPD den Kinder- und Jugendschutz im Hinblick auf die Themen “Drogen und Sucht” wirklich ernst nehmen, stünde die Kürzung der Fördergelder für das DZSKJ sicher nicht zur Debatte. Umso wichtiger ist es daher, alternative Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten, damit die Forschungsarbeit auf gleich bleibend hohem Niveau weiterhin gewährleistet ist.”, so Hjalmar Stemmann in seiner Funktion als CDU-Fachsprecher für Drogen und Sucht abschließend.

Eine Kleine Anfrage an den Senat zu den Hamburger Zahlen in Bezug auf das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) und Fetale Alkoholspektrumsstörungen (FASD), sowie den Aufklärungs- und Beratungsangeboten für Betroffene in Hamburg wurde eingereicht.

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