Jugendarbeitslosigkeit versus Fachkräftemangel – Bilden wir falsch aus?

Bundesweit kämpft das Handwerk mit Nachwuchskampagnen gegen den Fachkräftemangel. (Bild: Deutscher Handwerkskammertag e.V.)
Bundesweit kämpft das Handwerk mit Nachwuchskampagnen gegen den Fachkräftemangel. (Bild: Deutscher Handwerkskammertag e.V.)

 

In vielen Branchen ist ein Fachkräftemangel feststellbar. Laut Arbeitsagentur liegt ein Fachkräftemangel u.a. dann vor, wenn es weniger Arbeitslose als offene Stellen gibt.

 

Während in der Öffentlichkeit aber eher über akademische Berufe diskutiert und mit viel Aufwand nach Lösungsmöglichkeiten gesucht wird, sind es die gewerblichen Tätigkeiten, die deutlich stärker unter einem Mangel an Bewerbern leiden. So spricht die amtliche Statistik von 46 Engpassberufen für betrieblich Qualifizierte (in der Regel mit dualer Ausbildung) aber nur von acht mit akademischer Grundlage.

 

Das trifft nicht nur auf die Pflegeberufe zu, wo bereits seit Jahren zu wenige Bewerber auf die vielen freien Stellen kommen. Auch im Elektro- und im  Sanitärhandwerk sowie in anderen gewerblichen Berufen brauchen offene Stellen im Schnitt über 90 Tage, bis sie wieder besetzt werden können. Die eigene Ausbildung des Nachwuchses ist dabei sicherlich der erste Schritt.

 

Das Handwerk hat mit 80% einen höheren Facharbeiteranteil als jeder andere Wirtschaftszweig. Auch die Ausbildungsleistung liegt deutlich über dem eigenen Bedarf. Nur 1/3 der Ausgebildeten bleibt im Handwerk, 1/4 wechselt nach der Prüfung in die Industrie und je 13 - 14% gehen in den Handel, den öffentlichen Dienst oder sonstige Dienstleistungen. Aber 1/3 kommt auch aus anderen Ausbildungsbereichen in das Handwerk. Auch wenn immer mehr Abiturienten das  Handwerk für eine duale Ausbildung (und in Hamburg auch ein duales Studium entdecken), so hat doch nach wie vor der größte Teil einen Real- oder Hauptschulabschluss.

 

Und hier liegt für das Handwerk eine große Herausforderung. Aufgrund des demografischen Wandels und eines geänderten Bildungsverhaltens wird in den nächsten Jahren die Zahl der Realschüler um 25,1% sinken, die der Hauptschüler sogar um 32,5%.

Was braucht das Handwerk und der Mittelstand, um auch zukünftig ausreichend Kandidaten für Lehrstellen zu finden, die vor allem auch in der Lage sind, eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren? Zum einen eine Intensivierung und Verbesserung des Vermittlungsprozesses, um frühzeitigen Abbruch sowie Demotivation bei Auszubildenden und Ausbilder zu vermeiden. Die Jugendberufsagentur, die wir Anfang 2011 gefordert haben (Drs. 20/106), soll die Jugendlichen am Ende der Schulzeit passgenau in eine Lehre vermitteln. Das ist ein erfolgsversprechender Ansatz. Zum anderen müssen Maßnahmen zur Unterstützung von Betrieben entwickelt werden, die sich Jugendlichen mit schwierigen Ausgangslagen annehmen. Und nicht zuletzt muss die Berufsorientierung für Schüler verbessert werden. Hier bieten sich mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben gute Chancen, durch eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Stadtteilschule den eigenen Beruf vorzustellen und sich gut bei den zukünftigen Auszubildenden zu positionieren. 

 

"Kaffeehausgespräch" der Konrad-Adenauer-Stiftung

Impressionen vom "Kaffeehausgespräch"

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Neues vom Siemersplatz

Meinem Newsletter hier lesen und abonnieren.
Meinem Newsletter hier lesen und abonnieren.