Wirtschaftskonferenz in Harburg - Das Rückgrat der Wirtschaft durch Mittelstandspolitik stärken

Zum dritten Mal haben sich haben sich Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und Politik auf der vom Wirtschaftsverein und der Handwerkskammer organisierten Wirtschaftskonferenz im Privathotel Lindtner getroffen. Die Idee: Jeder hat seinen Tisch, an denen man sich wechselseitig trifft, um unbürokratisch Themen zu bewegen. Das Konzept zieht. Erstmals waren auch Vertreter des Bezirks Mitte dabei, die für den Bereich Wilhelmsburg zuständig sind.

 

In einem Impulsvortrag habe ich zum Thema: "Das Rückgrat der Wirtschaft durch Mittelstandspolitik stärken." Dabei habe ich die Bedeutung der örtlichen Wirtschaft mit ihren mittleren, aber auch sehr vielen kleinen Betrieben, oft aus dem Handwerk, hervorgehoben. Sie sind es, die Ausbildungsplätze stellen, im Land blieben und auch hier ihre Steuern zahlen. Zudem habe ich appelliert auch in Hinblick auf die geplante Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße und Neuplanungen in dem Bereich den davon betroffenen Betrieben geeignete Ausweichflächen zu bieten. Darüber hinaus fordere ich die Behörden dazu auf für schlanke Genehmigungsprozesse zu sorgen.

 

 

Auszüge aus meinem Vortrag:

 

"Hamburgs Zukunft liegt im Süden" – sagen Sie im Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden, insbesondere in Ihrer "Harburg Vision 2020".

Und Sie fragen gleich im Anschluss "Aber wie sieht sie aus? Und wie lässt sie sich gestalten?" – Die Zukunft.

 

Im Handwerk sagen wir dazu: "Zukunft kommt von Können" – mit den Zutaten hohe Qualität, Leistungsbewusstsein und immer nah am Kunden.

 

Ob nun Hamburgs Zukunft allein im Süden liegt - nun, da hätte das Handwerk aus dem Norden unserer schönen Stadt sicherlich so seine Bedenken anzumelden. Doch selbst die Kollegen im Norden sind Ihrem Grundgedanken hier in Harburg sehr nah: Denn ob nun ganz Hamburg oder Hamburg-Nord oder Harburg: Die Zukunft liegt – auch - in der Region.

 

Natürlich nicht als Kampfansage gegen die Globalisierung. Das wäre töricht, denn die Globalisierung können wir nicht zurückdrehen. Wir sind uns sicher einig mit der Feststellung: Hamburg ist ein Gewinner der Globalisierung, durch den Hafen, den Fall des Eisernen Vorhangs und damit verbunden die Rückgewinnung des Hinterlandes, aber u.a. durch den weltweiten Erfolg von Airbus.

 

Doch das Bekenntnis zur Region ist, sagen wir, eine ideale Ergänzung zur Globalisierung.

Diesen Gedanken möchte ich Ihnen heute Morgen nahebringen, wenn ich Ihnen die Grundzüge unserer Mittelstandpolitik erläutere, die wir gemeinsam mit Partnern für das Wohl der Wirtschaft und damit der ganzen Stadt umsetzen. Dabei wird eines deutlich werden: Die Ziele des Handwerks als klassischer Mittelstand und Ihre Ziele für eine leistungsfähige Harburger Wirtschaft mit einem starken Mittelstand – diese beiden passen gut zusammen. Das Handwerk mit seinen überwiegend kleinen und mittleren Betrieben bewährt sich seit jeher als stabiler Wirtschaftsfaktor in dieser Stadt, als Rückgrat der Wirtschaft.

 

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Was macht den Mittelstand eigentlich aus? Ich spreche einmal für das Handwerk:
Wir sind direkt beim Kunden, wir bilden aus, wir zahlen hier in Deutschland Steuern und Abgaben, wir gucken nicht nur auf die Schulnoten, sondern auf den ganzen Menschen – so geben wir auch schwachen Schülern eine Chance auf eine Ausbildung, wenn sie Motivation und Leistungswillen zeigen.

 

Im Handwerk sagen wir dazu: Wir entdecken Potenziale: Denn unser größtes Talent ist es, Talente zu fördern. Wir sind gute, verlässliche Partner für Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Was die Betriebe für die Gemeinschaft leisten und was die Handwerkskammer gemeinsam mit ihren Partnern tut, um gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen und zu erhalten, das kann sich sehen lassen.

 

Das Harburger Handwerk – das sind 1.400 Betriebe mit über 12.000 Beschäftigten, gut 500 Auszubildenden und einem Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das gesamte Hamburger Handwerk hat 15.500 Betriebe mit 129.000 Beschäftigten, 6.500 Azubis und einem Jahresumsatz von 12 Milliarden Euro.

 

Das Handwerk – das ist ein breiter Branchenmix. Die Wirtschaftskraft, die Leistungsstärke, die Ausbildungsleistung – und die Innovationskraft der vielen Betriebe auch und gerade hier in Harburg werden von Außenstehenden oftmals unterschätzt.

Kaum einer kennt die Vielfalt der Produkte.

 

Und das Handwerk arbeitet sozusagen "traditionell modern": Die Betriebe kennen gar nichts anderes, als ihre Produkte und ihre betriebliche Organisation laufend an Markt-Veränderungen anzupassen, sich neue Märkte und Marktnischen zu erobern. Es lebt also von jeher das, was heute gefragt ist. Ob im Lebensmittelhandwerk oder in der Umwelttechnik: Das Handwerk bringt wirtschaftliche Vielfalt und Dynamik in die Elbvororte. Mit seiner Lebendigkeit und seinen Unternehmerpersönlichkeiten ist es zugleich ein zentraler Träger der Stadtkultur. Kurz: Das Handwerk im Bezirk Harburg ist ein wichtiger Faktor für Arbeit, berufliche Ausbildung, soziale Integration und Wohlstand.

 

Damit steht das Handwerk stellvertretend für den gesamten Mittelstand in Harburg. Und Sie merken schon, ich will darauf hinaus, dass das typische Merkmal des Mittelstandes nicht einfach nur die Größe des Unternehmens ist.

 

Das wirklich typische Merkmal des Mittelstandes ist die Eigenverantwortung! Lassen Sie mich wieder am Beispiel des Handwerks zeigen, was das bedeutet: Der durchschnittliche Hamburger Handwerksbetrieb hat acht Beschäftigte und ist damit ein Kleinstunternehmen. Die meisten von ihnen sind familiär organisiert, als Einzelunternehmen. Die Chefin oder der Chef ist also nicht Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, sondern die Chefin oder der Chef haftet persönlich und unbeschränkt. Und wenn doch die GmbH als Gesellschaftsform gewählt wird, sorgen die Banken dafür, dass man trotzdem mit Haut und Haar haftet.

 

Die Chefin oder der Chef hat häufig den Betrieb von den Eltern übernommen und kennt seine Mitarbeiter nicht nur alle beim Namen, sondern häufig auch die der Partner und Kinder. Der Betrieb ist standortgebunden, kann nicht ins Ausland verlagert werden.
Und es finden keine Tricks Anwendung, mögen sie auch noch so legal sein, um die hier gemachten Gewinne im Ausland zu versteuern.

 

Das ist gelebte gesellschaftliche Verantwortung. Sie wird durch die regionale Verankerung für alle sicht- und spürbar. Das schafft Vertrauen. Und so liegt es möglicherweise an solchen Faktoren, dass neun von zehn Bundesbürgern dem Handwerk Vertrauen entgegenbringen – so viel wie keinem anderen Wirtschaftszweig!

Das ergibt eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung GfK. Und dieses Ergebnis ist keine "Eintagsfliege". Das Handwerk lag bei der GfK-Umfrage auch im vergangenen Jahr unangefochten und mit großem Abstand auf dem Spitzenplatz.

Wenn wir in der Handwerkskammer Mittelstandspolitik betreiben, dann machen wir das, um genau diese Betriebe in ihrem verantwortungsvollen und nachhaltigen Wirtschaften zu unterstützen.

 

Wir vertreten dabei den Betrieb eines Augenoptikers, eines Bäckers oder Fleischers, eines Malers oder Zweiradmechanikers und von fast 100 weiteren Berufen.

Die Bandbreite der Unternehmen ist groß – doch die Strukturen sind so gut wie überall gleich: Die Chefin oder der Chef leiten gleichzeitig die strategische Abteilung, die Personalabteilung, die Abteilung Finanzen, die Öffentlichkeitsarbeit, den Vertrieb, die Produktentwicklung und die Kundenpflege.

 

Die Kammer setzt sich dafür ein, dass diese Unternehmerpersönlichkeiten in Hamburg gute Rahmenbedingungen vorfinden, um mit ihrem Betrieb Geld zu verdienen und so auch Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Dafür bietet die Kammer viele Serviceleistungen mit umfassenden Beratungen an. Und seit 2011 haben wir mit dem Masterplan Handwerk 2020 eine Vereinbarung mit dem Hamburger Senat für eine sehr konstruktive Zusammenarbeit in wichtigen Themenfeldern von der Fachkräftesicherung über Gewerbeflächen bis zu Umwelt und Qualitätspolitik.

 

Aber genau wie Sie schauen wir über den eigenen Tellerrand – und schließen uns mit Partnern zusammen. So haben wir Anfang dieses Jahres gemeinsam mit der Handelskammer und dem Verband der Freien Berufe das Bündnis für den Mittelstand mit dem Senat geschlossen.

Es ist die dritte Mittelstandsvereinbarung nach ihren Vorläufern aus den Jahren 2002 und 2008 – das zum Stichwort Nachhaltigkeit in der Mittelstandspolitik.

 

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Ich möchte hier einige wichtige Themen des Bündnisses für den Mittelstand für unsere Runde aufgreifen, damit greifbar wird, was wir gemeinsam erreichen wollen für die Betriebe und ihre Beschäftigten in Hamburg – also auch im Hamburger Süden. Die Stichworte dazu sind:

  • Bürokratieabbau
  • Reform der Mittelstandsförderung und Unternehmensfinanzierung
  • Gewerbeflächen
  • Fachkräfte

 

Beim Thema Bürokratieabbau wird geprüft, inwieweit über das Internet zeitaufwändige Behördengänge eingespart werden können – also darum, eGovernment in Hamburg voranzubringen und praxisgerecht auszugestalten.

In diesem Zusammenhang suchen wir übrigens Unternehmer, die uns Anregungen zur Optimierung geben und Pilotlösungen mit uns testen können. Meine Damen und Herren, melden Sie sich also gern im Anschluss an diese Veranstaltung bei mir, wenn Sie dabei sein wollen.

Mit diesem Projekt wollen wir dazu beitragen, ich sage einmal vorsichtig "den Unmut" der Betriebsinhaber zu lindern. Denn bei einer Umfrage sagten schon im März 2011 über die Hälfte der befragten Handwerksbetriebe und fast zwei Drittel der Handelskammerbetriebe, dass sie Verwaltungsangelegenheiten lieber online abwickeln würden.

 

Beim Bürokratieabbau geht es uns aber auch um die Vermeidung neuer Bürokratie durch neue Gesetze und Verordnungen. Viele Lasten entstehen durch Bundesgesetze, doch es gibt auch Beispiele auf Landesebene.

 

Wir konnten beispielsweise verhindern, dass in Hamburg eine Umweltzone eingeführt wird, obwohl das einst im Koalitionsvertrag des schwarz-grünen Senats fest vorgesehen war. Das sind verborgene Erfolge einer Interessenvertretung auch und gerade für den Mittelstand! Denn eine Umweltzone bietet einen Lösungsansatz für ein Problem, das Hamburg gar nicht hat, nämlich für zu hohe Kohlendioxid-Werte. Das hat dann auch ein behördliches Gutachten bestätigt. Dagegen sind zu hohe Stickoxid-Werte die Herausforderung für Hamburg. Wir konnten die Politik nun davon überzeugen, lieber das wirkliche Problem gezielt in Angriff zu nehmen.

 

So haben wir gemeinsam mit der Handelskammer im vergangenen Herbst eine Luftgüte-Partnerschaft mit dem Senat vereinbart, die auf freiwilliges Engagement und Anreize statt Verbote setzt.

 

Dabei hat unser Handwerkskammer-Präsident Josef Katzer eine Initiative  für E-Mobilität in Hamburg angestoßen. Er hat das Ziel ausgegeben, sich für 1.000 Elektro-Fahrzeuge in den handwerklichen Fuhrparks einzusetzen.

 

E-Mobilität – ein Zukunftsthema par excellence. Sprechen Sie mich nachher gern darauf an, wenn sie eine Absichtserklärung für die 1000 e-Fahrzeuge unterschreiben wollen.

Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ist auch die Mittelstandsförderung und Unternehmensförderung. Und da sind wir bei der künftigen Investitions- und Förderbank IFB, die voraussichtlich am 1. August an den Start geht. Handelskammer und Handwerkskammer waren von diesem Gedanken einer IFB gar nicht überzeugt. Aber der Senat hatte sich nicht abbringen lassen von diesem Vorhaben aus seinem Arbeitsprogramm.

 

Daher haben wir in den Beratungen drei wichtige Punkte für einen tragbaren Kompromiss erreichen können:

 

  1. Die Innovationsstiftung behält ihr Stiftungskapital und kann auf diese Weise die Innovationsförderung auch rein materiell aufrecht erhalten.
  2. Handwerkskammer und Handelskammer haben Sitz und Stimme im Lenkungsgremium des neuen Instituts, so dass mittelständische Interessen dort wirksam vertreten sind.
  3. Instrumente zur Mittelstandsförderung - wie der Hamburg-Kredit - werden zeitnah eingeführt. Das Meistergründungsprogramm läuft bereits seit vergangenem Oktober.

 

Wir sind dabei von dem Grundsatz ausgegangen: Wer die Wirtschaftsförderung verbessern will, kann dabei nicht auf die Vertreter der Wirtschaft verzichten!

 

Zukunft gestalten und Regionalität – darum dreht sich auch der nächste Aspekt, den ich für die Mittelstandspolitik ansprechen möchte: Es sind die Gewerbeflächen und ein effektives Flächenmanagement.

 

Hamburgs Wirtschaft braucht geeignete und bezahlbare Gewerbeflächen vor Ort! Nicht nur jenseits der Stadtgrenzen! Die Mittelstandsfreundlichkeit einer Stadt zeigt sich nicht zuletzt daran, dass diese Flächen ausreichend zur Verfügung stehen.

 

Im Masterplan Handwerk 2020 wie auch im Bündnis für den Mittelstand ist mit dem Senat klar das Ziel vereinbart, im Rahmen eines Gesamtkonzeptes ein geeignetes Flächenmanagement in Zusammenarbeit mit den Bezirken zu entwickeln. Gerade vor dem Hintergrund der Wohnungsbau-Offensive mit dem Ziel von jährlich 6.000 neuen Wohnungen, gilt es für alle Wirtschaftspartner in unserem Bündnis, hier dringend weiter am Ball zu bleiben!

 

Wir setzen uns für Gewerbeflächen-Entwicklungspläne ein; wir haben dabei auch mehrstöckige Gewerbehöfe vorgeschlagen – in München klappt das schon ganz hervorragend. Was wir brauchen, ist sozusagen eine "grobkörnige Mischung" von Gewerbe und Wohnraum – im Einklang der verschiedenen Interessen in den Stadtteilen.

Nur so können wir vermeiden, dass das Gewerbe in die Peripherie gedrückt wird.

Wir verstehen uns als Handwerkskammer gemeinsam mit der Handelskammer als Sachwalter der Gewerbeflächen.

 

Ich möchte hier ein aktuelles Beispiel nennen – aus dem Hamburger Süden. Sie kennen es alle, selbst wenn Wilhelmsburg und die Veddel ja seit der Bezirksverwaltungsreform nicht mehr zu Harburg gehören. Unter dem Motto "Zukunftsbild Elbinseln 2013plus" wurde hier vor kurzem in vier Planungswerkstätten über die Zeit nach der Internationalen Bauausstellung und der Internationalen Gartenausstellung diskutiert. Dabei ging es insbesondere um Entwicklungspotenziale aus einer Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße. Stadtentwicklungsbehörde und Bezirk Mitte wollen hier neuen Wohnraum schaffen. Um es klar zu sagen: Die Handwerkskammer hat selbstverständlich nichts gegen Wohnungsbau – schließlich bedeutet das ja auch Aufträge für das Handwerk. Doch von einer Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße ist auch das Gewerbegebiet Rubbertstraße betroffen. Hier sitzen über 20 Handwerksbetriebe, die dann verlagert werden müssen.


Sie wissen: Eine Betriebsverlagerung kann die Existenz bedrohen. Daher kümmern wir uns darum, dass hier gangbare – eben zukunftsfähige – Lösungen gefunden werden. Welcher Fall auch immer am Ende eintritt: Es müssen ausreichend alternative Gewerbeflächen vorgehalten werden. Wohnungsbau und Gewerbeflächen müssen in dieser Stadt gleichberechtigt entwickelt werden!

 

Auch das nächste Zukunftsthema Fachkräfte gehen wir mit unseren Partnern an.

Fachkräftesicherung, das ist angesichts des demografischen Wandels eine immense Herausforderung für die meisten von uns.

 

Im Handwerk gab es 2012 – auch wegen der anhaltend guten Auftragslage –etliche Betriebe, die zusätzliche Fachkräfte einstellen wollten. Aber sie fanden keine. Sie wollten noch mehr junge Menschen ausbilden, doch sie fanden keine passenden Azubis.

 

Die Handwerkskammer ist auch hier gemeinsam mit den Betrieben seit Jahren erfolgreich aktiv, um die Auswirkungen zu lindern und gegenzusteuern:

  • da geht es um eine frühzeitige Berufsorientierung – in konstruktiver Kooperation mit den Schulen und der Behörde,
  • da geht es um eine passgenaue Vermittlung zwischen Bewerbern und Betrieben für einen Ausbildungsplatz,
  • da geht es darum, neue Potenziale zu heben, beispielsweise bei Menschen mit ausländischen Wurzeln, die an unser System der dualen Ausbildung oftmals erst herangeführt werden müssen.

 

Beim Thema Fachkräfte geht es jedoch nicht nur um den Nachwuchs, sondern auch darum, langjährige Mitarbeiter fort- und weiterzubilden.

 

Im Hamburger Süden kennen Sie alle den ELBCAMPUS am Harburger Bahnhof, das Kompetenzzentrum der Handwerkskammer für Fort- und Weiterbildung. Und wir haben in diesem Jahr ein weiteres neues Vorhaben am Start: ein Personaldienstleistungszentrum. Es wird einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftestrategie leisten: Professionelles Personalmanagement und eine fortlaufende Personalentwicklung sind für die Betriebe das Gebot der Zukunft.

 

Vielen unserer Betriebe fehlt es aber an Zeit und Möglichkeiten, diesen komplexen Aufgaben neben dem Tagesgeschäft nachzugehen. Daher braucht es dafür einen überbetrieblichen Ansatz. Das Personaldienstleistungszentrum wird für kleine und mittlere Betriebe kompetenter Ansprechpartner in allen Fragen rund ums Personal sein. Der Schwerpunkt liegt hier im Handwerk - aber nicht ausschließlich im Handwerk.

 

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Themen für die Mittelstandspolitik gibt es natürlich noch viele, sehr viele mehr. Eines klang vorhin schon ganz kurz bei der E-Mobilität an: die Energiewende. Die Energiewende ist – bisher – kein Ruhmesblatt für die Politik. Tragfähige, nachhaltige Entscheidungen sind Mangelware, die Verunsicherung ist groß, bei Verbrauchern wie in der Wirtschaft, Planungssicherheit ist hier inzwischen ein Fremdwort. Dabei bietet die Energiewende große Chancen und das Handwerk steht parat für eine weitere Umsetzung.

 

Zur Erinnerung: Hier in Harburg ist die Handwerkskammer mit dem ZEWU, dem Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik, schon über 25 Jahre im Bereich Ressourcen-sparendes Produzieren aktiv: in der Fort- und Weiterbildung ebenso wie in der Projektentwicklung zu Windkraft und Solaranlagen.

 

Zwei Positionen unserer Mittelstandspolitik in diesem Bereich möchte ich hier kurz nennen: Wir fordern eine faire Gestaltung der Erneuerbare-Energien-Umlage.

Und wir fordern eine steuerliche Förderung bei energetischer Gebäudesanierung.

Es geht bei diesem Thema aber auch um die Begleitung von Diskussionen wie jetzt beispielsweise um den Rückkauf der Energienetze in Hamburg. Ich will keinen Hehl daraus machen, dass die Handwerkskammer gegen einen vollständigen Rückkauf ist.

 

Die Mittelstandsfreundlichkeit einer Stadt zeigt sich auch in der Vergabepolitik der öffentlichen Hand. Mit einer mittelstandsorientierten Vergabepolitik werden Arbeits- und Ausbildungsplätze in Hamburg gesichert. Nicht zuletzt bringt sie der Stadt Steuereinnahmen. Wenn die öffentliche Hand selbst als Auftraggeber auf dem Markt auftritt, zeigt sich, wie ernst sie es mit der Mittelstandspolitik meint. 

 

Schauen wir auf ein Beispiel aus Ihrer Region. Südlich der Norderelbe ist der Schulbau eigene, innovative Wege gegangen. Über eine neuartige Konstruktion werden in Trägerschaft der GWG Gewerbe bzw. der Gebäudemanagement Hamburg innerhalb von fünf Jahren die allgemeinbildenden Schulen südlich der Norderelbe instand gesetzt, und dann über 25 Jahre instand gehalten. Ein großer Investitionsstau wird hier nun abgebaut, anders gesagt: Für die Bau- und Ausbaugewerke, aber auch die Gebäudereiniger gibt es ein regelrechtes Füllhorn an Aufträgen. Ein enormes Auftragsvolumen kommt auf den Markt. Und zwar in einer Weise, wie sich das eine Handwerks- und Mittelstandsvertretung nur wünschen kann: Nämlich in kleinen Losen. Maler können sich um Maler-Aufträge bewerben und Tischler um Fensterbau-Aufträge.

Vergaben an Generalunternehmer, also Gewerke-übergreifende Pakete, waren und sind die Ausnahme. Etwa 75 Prozent der Aufträge von Schulbau Hamburg werden so von Hamburger Firmen ausgeführt werden. Ein erfreulich hoher Wert!

 

Und Hamburg ist mit dieser Initiative, ein langfristiges Management öffentlicher Bauten umzusetzen, neue Wege gegangen. Innovative und nachhaltige Wege: Denn das alte Motto "Möglichst günstig bauen" und dann „Möglichst günstig instand halten“ wurde aufgegeben - zugunsten einer langfristigen Planung. Seitdem steht die Überlegung im Vordergrund "Vielleicht anders und teurer bauen, wenn die Stadt dann im Unterhalt mehr einsparen kann". Das ist clever – insbesondere angesichts steigender Energiekosten.

 

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Sie sehen, alle diese Themen sind beredte Beispiele dafür, dass ein Gemeinwesen funktioniert, wenn die Protagonisten vor Ort gut miteinander zusammenarbeiten. "Die Zukunft liegt – auch – in der Region" – das sagte ich zu Anfang.

 

Sie alle in diesem Kreis zeigen das: Sie stärken mit Ihrem Engagement die Wirtschaft der Region - und damit die Region und die Gemeinschaft als Ganzes. Die Globalisierung ist aus unserer Welt nicht wegzudenken. Doch gleichzeitig wächst der Trend zur Regionalität – und er wird weiter wachsen. Die Verbraucher interessieren sich für regionale Produkte und Dienstleistungen. Die Menschen wollen einfach wissen, woher die Produkte kommen und wie sie gefertigt wurden. Aus der Region – für die Region, und zwar zeitgemäß, qualitätsbewusst, kunden- und serviceorientiert, nachhaltig. Das ist eine gute Basis für die Unternehmensführung der Zukunft. Das Handwerk lebt diese Werte von jeher!

 

"Wie lässt sich die Zukunft gestalten?" - lassen Sie uns gemeinsam Lösungen und Antworten finden. Ich würde mich sehr freuen, wenn der heutige Tag der Anfang für viele gute, neue Ideen ist.

 

Effektive Mittelstandspolitik ist ein Gemeinschaftswerk. Wir stehen dafür bereit. Als gute Partner. Unsere Image-Kampagne findet dafür treffende Worte, wie immer kurz und knapp: "Wir sind Handwerker. Wir können das." Und ich sagte es schon zu Anfang: "Zukunft kommt von Können".

 

 

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