Ausbildung: Die Schere öffnet sich

Das Ausbildungsjahr 2013/14 hat begonnen. Die Zahl der Neuabschlüsse gibt ein uneinheitliches Bild. Während im Handwerk die Zahl der Ausbildungsverträge gering um 0,5 % auf 2026 gestiegen ist, sind sie im Bereich der Handelskammer um 3,2 % auf 8.812 gefallen. Das lag jedoch nicht an einer zu geringen Zahl an angebotenen Plätzen, wie unschwer ein Blick auf die Zahl der offenen Lehrplätze zeigt. Aktuell stehen bei der Handelskammer noch 102 Ausbildungsplätze offen, beim Handwerk sogar 488 Plätze. Die Schere öffnet sich immer weiter.

War bis 2011 noch eine große Nachfrage von qualifizierten Jugendlichen nach Ausbildungsplätzen insbesondere aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu verzeichnen, steht dieses Potential unwiederbringlich nicht mehr zur Verfügung. Denn der deutliche Geburtenrückgang insbesondere bei unserem östlichen Nachbarn nach dem Fall der unsäglichen innerdeutschen Grenze hat sich inzwischen bis in die ausbildungsfähige Generation durchgewachsen.

 

Wo weniger Schulabgänger aus dem Umland kommen, muss das Hamburger Potential besser ausgeschöpft werden. Schon gleich zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode im März 2011 habe ich mit der  CDU-Bürgerschaftsfraktion einen Antrag auf Gründung von Jugendberufsagenturen eingebracht (Drs. 20/106). Meine Forderung untermauerte ich mit den Worten: "Es wäre mehr als wichtig, dass alle wichtigen Institutionen, die in Hamburg bereits Angebote für jugendliche Menschen haben, eng zusammenarbeiten." Inzwischen hat der SPD-Senat diese Forderung umgesetzt und in den Bezirken Mitte  und Harburg (2012), sowie Altona, Eimsbüttel und Nord (2013) Jugendberufsagenturen gegründet. In den drei verbleibenden Bezirken soll das Konzept 2014 umgesetzt werden. Ziel ist, keinen Jugendlichen mehr in endlose Warteschleifen zu geben sondern personenbezogen Ausbildungshemmnisse zu beheben und die Jugendlichen fit zu machen für den Ausbildungsmarkt.

 

Welch tolle Karrieren mit einer dualen Ausbildung möglich sind, zeigte die fulminante Gala zum Azubi des Jahres vor wenigen Tagen in der Handelskammer Hamburg. 20 Finalisten aus Handel, Industrie, Dienstleistung und Handwerk präsentierten gekonnt ihren Weg. Besonders bemerkenswert ist die Preisträgerin des zusätzlich ausgelobten Integrationspreises. Die 27 jährige Alina Fomina kam 2005 aus dem russischen Kursk nach Deutschland, da sie aufgrund ihrer Gehörlosigkeit in der ursprünglichen Heimat keine Aussicht auf Ausbildung hatte. Nach dem Erwerb einer fremden (Gebärden-)Sprache absolviert sie inzwischen bei Lufthansa Technik AG sehr erfolgreich eine Ausbildung zur Werkzeugmacherin. Die Finalisten kamen aus allen Bereichen von Handel, Handwerk und Gastronomie und Dienstleistung und deckten ein breites Specktrum an Ausbildungsberufen ab. Ergebnis: Eine duale Ausbildung lohnt sich.

 


Foto: Stefan Malzkorn 2013

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